Lesbarkeit ist ein Versprechen
Jeder Text gibt ein stilles Versprechen ab: Wenn du Zeit investierst, bekommst du Orientierung. Viele Texte brechen dieses Versprechen, weil sie den Kern verstecken, zu viele Nebenideen in einen Satz stopfen oder Begriffe wechseln. Ein lesbarer Text muss nicht kurz sein, aber er muss eine Route haben, der man folgen kann.
Der häufigste Lesbarkeitsfehler ist nicht das Vokabular, sondern die Struktur. Leser verlieren den Faden, weil Abschnitte keine klare Aufgabe haben. Deshalb beginnt Lesbarkeit mit Überschriften und Absätzen, nicht mit Synonymen.
Klare Sätze ohne Bedeutungsverlust
Ein klarer Satz hat eine Hauptaussage. Wenn du drei Nebensätze brauchst, splitte ihn. Das macht Inhalte nicht „dümmer“, es reduziert kognitive Last. Hilfreich ist, handelnde Personen und Verben früh zu setzen. Statt „Es kann festgestellt werden“ ist „Die Daten zeigen“ meist ehrlicher und einfacher zu prüfen. Gerade bei Fakten hilft das, weil die Aussage greifbar wird.
- Eine Hauptidee pro Satz, wenn Präzision wichtig ist
- Handelnde Person früh, Verb nah dran
- Konkrete Begriffe statt Platzhalter
- Den gleichen Begriff für die gleiche Sache
Absätze für Mobil
Auf dem Handy ist ein Absatz keine Textfläche, sondern Atem. Lange Blöcke werden übersprungen, selbst wenn der Inhalt gut ist. Eine praktische Regel sind drei bis fünf Zeilen auf Mobil. Wenn mehr nötig ist, setz ein Zwischenstück: Liste, Beispiel oder kurze Zusammenfassung. Das ist nicht Kosmetik, das ist Navigation.
Das gilt auch für Einleitungen. Wenn die ersten Sätze nicht sagen, wozu der Text nützt, gehen Leser weiter. Eine gute Einleitung nennt Problem, Nutzen und nächsten Schritt. Das klingt simpel, wird aber überraschend oft vergessen.
Metriken: nur als Rauchmelder
Lesbarkeitsformeln können ausreißer markieren. Sie sagen aber nicht, ob ein Text korrekt ist, ob er fair argumentiert oder ob er etwas verschweigt. Nutze Metriken, um Stellen zu finden, dann prüf inhaltlich nach. Für Recht, Medizin und Politik gilt das besonders, weil Nuancen oft entscheidend sind.
Ein einfacher Editierprozess
Bearbeitung wird leichter, wenn du Schritte trennst. Erst Bedeutung prüfen: stimmt es. Dann Struktur: führt der Text durch das Thema. Danach Sprache: Füllwörter raus, Mehrdeutigkeit runter. Am Ende Konsistenz: Begriffe, Zahlen, Datumsangaben, Quellen. So vermeidest du, dass du Sätze polierst, die später sowieso verschwinden.
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Typische Fallen
Viele Teams schreiben in einer „Meeting-Sprache“. Klingt professionell, sagt aber wenig. Eine andere Falle ist die Zielgruppenmischung. Ein Text für Experten und Einsteiger zugleich wird meistens für beide schwammig. Entscheide, für wen du schreibst, und sag Annahmen offen. Lesbarkeit ist am Ende Respekt vor Zeit.